Zur Hauptseite: www.historischesobermarsberg.de

Die Marketenderinnen

Marketenderinnen waren im Schützenwesen Obermarsbergs sicher nicht üblich, da sie
die kämpfenden Truppen, das Soldatenheer begleiteten. Da Marketenderinnen aber oft
die Frauen oder Töchter der kämpfenden Soldaten waren, darf es den Obermarsbergern gestattet sein, auch diesen mittelalterlichen Bereich darzustellen, zumal die Parallelen darin bestehen, dass die Obermarsberger Marketenderinnen ebenfalls zum einem großen Teil aus den Frauen der historischen Schützen bestehen. Da es eine große Meinungsvielfalt über den Begriff “Marketenderin” gibt, möchte ich an dieser Stelle den Begriff und die wichtigen Dienste der Marketenderinnen beleuchten.


Im Militätlexikon von Julius Castner (Leipzig 1882) steht unter dem Begriff Marketender:
“Personen, welche den Truppen auf Märschen, bei den Übungen und im Krieg folgen
und Kleinhandel mit Lebensmittel und solchen Bedürfnissen treiben, welche nicht
dienstlich geliefert werden können.”

Der Begriff “Marketender” entstand im 16. Jahrhundert
aus dem italienischen
mercato = Markt und il mercante = der Kaufmann.

Schon seit dem 12. Jahrhundert war es üblich, dass Händler und Händlerinnen mit dem Heer zogen, um es mit Lebensmittel, Genußmittel und Gebrauchsgegenständen zu versorgen. Da die Krieger sich ursprünglich mit ihrem Sold selbst versorgen mussten, kam diesen Händlern eine große Bedeutung zu. Oft waren es Veteranen oder, wie oben bereits erwähnt, Frauen und/oder Töchter der Berufssoldaten, die mit ihrem Marketenderkarren dieser strapaziösen und gefährlichen Tätigkeit nachgingen, immer in der Nähe des Schlachtgetümmels und der Geschützfeuer. Die Frauen im Marketenderwesen übernahmen noch einen weiteren wichtigen Dienst. Sie kümmerten sich um die Verwundeten und übernahmen die Krankenpflege.

Nach der Schlacht räumten die Marketender und Marketenderinnen das Schlachtfeld auf d.h. sie sammelten alles Wertvolle und noch zu Gebrauchende ein.

Sicher fanden sich unter den dem Heer folgenden Frauen auch solche, die ihre Liebesdienste den Soldaten anboten. Diese “Dirnen” gehörten aber nicht zu den angesehenen braven Marketenderinnen, wie sie auch in

“Österreichische Militärische Zeitschrift” von 1863 beschrieben werden.
In dieser Publikation wird unter der Überschrift “Studien über Feldverpflegung” u.a. folgendes ausgesagt:

“In ihrer einfachsten Form hat sich die Privatindustrie seit den ältesten Zeiten bei allen Feldzügen durch die Marketender und Marketenderinnen Geltung verschafft; beide haben sich bereits eine Art historisches Recht erworben, auf dem Kriegstheater mitwirkend auftreten zu können, so dass es kaum mehr möglich erscheint, sich eine Truppe im Felde ohne die Labsal spendenden Marketenderinnen vorzustellen.

...

Immer fast haben sie sich an irgend etwas Gutem betheiligt - haben geholfen und gepflegt, wo Noth war und Gefahr drohte. - Schlechtes hat die Geschichte meist nichts von ihnen zu erzählen.”

Im weiteren Verlauf des Berichtes wird die Marketenderin als Frau beschrieben, die sich durch ihr Temperament zu dem bewegten Kriegsleben hingezogen und mit ihrem Leidensgefährten kameradschaftlich verbunden fühlt. Sie findet immer Mittel und Wege, die Soldaten mit den verschiedensten Bedürfnissen zu versehen, “auch wenn das Land ringsum ausgesogen und fast nicht das Geringste mehr zu bieten scheint”. Die Marketenderinnen standen unter dem besonderen Schutz der Soldaten und hatten Anspruch auf Quartier bei der lagernden Truppe.

Heute wird der Begriff “Marketenderin” oft für Frauen verwendet, die Marsch- oder Blaskapellen begleiten (meist im süddeutschen oder österreichischen Raum) und diese mit Verpflegung und Getränken versorgen. In einigen rheinischen Karnevalsvereinen werden die Funkenmariechen ebenfalls als Marketenderinnen bezeichnet.

Die Marketenderinnnen vom Eresberg haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Ursprünglichkeit des Marketenderwesens wieder deutlich zu machen.

Copyright (C) by Eduard Emmerich 2008-2016